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Karl Brodmann – stiller Schaffer in einer bewegten Zeit

Am 24. Juni 2015 nahm eine grosse Trauergemeinde in der Kirche St. Peter und Paul Abschied von Karl Brodmann. Karl Brodmann hatte während seiner ganzen Berufszeit der Gemeinde Oberwil gedient. Ab 1943 arbeitete er zuerst als Kanzlist und unter anderem während vielen Jahren auch als umsichtiger Zivilstandsbeamter. Im 1973 wurde er zum Gemeindeverwalter gewählt.

Karl Brodmann war nie ein Mensch der lauten Töne. Vielmehr zeichnete er sich durch konzentriertes Arbeiten, Pflichttreue und Wirken im Hintergrund aus. Seiner Familie war er eine liebevolle und umsichtige Stütze. Seine Zurückhaltung im Beruf und in der Öffentlichkeit ist möglicherweise der Grund dafür, dass sein umsichtiges Wirken weniger bekannt ist.

Bei seinem Eintritt hatte Oberwil nicht einmal 2500 Einwohner. Seit den 1950er-Jahren aber entwickelte sich die Gemeinde rasant. Ist es heute noch vorstellbar, dass sich eine Dorfbevölkerung in nur 35 Jahren, also von 1950 bis 1985 (Pensionszeit von Karl Brodmann) über 340 Prozent, nämlich auf 8500 Bewohner, vergrössert? Was das bedeutet hatte für öffentliche Aufgaben wie etwa Strassenbau, Wasser- und Kanalisationsleitungen, Schulhausbauten, Anstellung von Lehrpersonen! Ganz zu schweigen von den Verwaltungsaufgaben wie Steuern, Rechnungswesen, Zivilstandswesen, Sozialwesen, Bauverwaltung, Reglemente und, und, und... Die Gemeindefinanzen zeigen dies auch: Einnahmen und Ausgaben lagen im Jahre 1950 bei einer halben Million Franken, 1985 bereits bei 18 Millionen Franken.

Da waren Fähigkeiten wie Improvisation und Kreativität gefragt, aber auch gegenseitige Rücksichtnahme, Verständnis und Vertrauen.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit stellte sich Karl Brodmann für wichtige Ämter und Funktionen zur Verfügung. Wie schon sein Vater verantwortete er viele Wahlen und Abstimmungen in Oberwil und im Kanton als Präsident des Gemeinde- und des Kantonswahlbüros. Im ACV Genossenschaftsrat, als Delegierter der Elektra Birseck, in der Pestalozzi-Gesellschaft in Oberwil und im Kirchenrat der katholischen Kirche wirkte er. Besonders engagierte er sich in Wohngenossenschaften für die Erstellung von günstigen Wohnbauten.

Schon 1953 brachte Karl Brodmann zusammen mit Adolf Stöcklin, dem späteren Gemeindepräsidenten von Oberwil, eine vielbeachtete, heute vergriffene Schrift: "Geschichte von Oberwil" heraus. Damit wurden erstmals in einer kleinen Heimatkunde interessante Fakten und Anekdoten zusammen getragen. Ein Beispiel: In einem älteren Reiseführer wird Oberwil als "Metropole des Leimentals" bezeichnet. Warum? Oberwil hatte zweihundert Jahre früher, um 1750, mehr Einwohner als Binningen oder Allschwil.

In seine Verwalterzeit fiel die Sanierung der Gemeindefinanzen. Sie waren nach dem rasanten Wachstum der Bevölkerung und der damit verbundenen Investitionstätigkeit stark angespannt. Steuern und Gebühren mussten hinauf gesetzt und dafür eine straffe Ausgabenpolitik eingehalten werden. Die Aufgabe gelang! Danach konnten die Steuern wieder deutlich gesenkt werden. Aber auch andere grosse Aufgaben wurden bearbeitet wie Revision der Ortsplanung, mit einem Zonenplan Landschaft, Rückzonungen und Einführung einer Etappierung für die Erschliessung von Baugebieten, Strassennetzplan oder der Bau des Alters- und Pflegeheims Dreilinden gemeinsam mit Bottmingen. Im Jahre 1981 wurde die Gemeinde an die EDV-Anlage in Binningen angeschlossen.

Gemeindeversammlungen mit mehreren hundert Teilnehmenden waren an der Tagesordnung, welche von Karl Brodmann in der ihm eigenen, knappen und ruhigen Art zuverlässig und neutral protokolliert wurden. Das Schreiben war eine Leidenschaft von Karl Brodmann. So gehörte er zu den Mitbegründern des heutigen Bibo – früher "dr Birsigthal-Bote". Im damaligen "Basler Volksblatt" war er ein regelmässiger lokaler Berichterstatter. Das Stenographieren hatte ihn schon in seiner Lehrzeit fasziniert und seine Gedanken drückte er viel lieber mit seiner Schreibmaschine aus als mit einer Rede!

Die Gemeinde Oberwil dankt Karl Brodmann für sein langjähriges, umsichtiges Wirken und spricht den Angehörigen ihr Beileid aus.

Peter Ley, im Auftrag der Gemeinde Oberwil

Publiziert am 7. Juli 2015


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