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Oberwil und seine Birsigtalbahn (BTB)

 

Am 3. Oktober 1887 wurde die Birsigtalbahn unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und nahm tagsdarauf auf der Strecke Basel-Therwil den Betrieb auf. Bereits im ersten Betriebsjahr wurden Arbeiter-Monatsabonnementskarten ausgegeben. Besitzern solcher Abonnemente, die wegen zu kurzer Mittagszeit nicht nach Hause fahren konnten, wurde das Mittagessen gratis in die Stadt befördert. Von diesem Angebot machten insbesondere viele Oberwiler regen Gebrauch.

1888 erhielten die Hochbauten einen wesentlichen Zuwachs durch Erstellung eines stattlichen Stationsgebäudes in Oberwil. Dieses wurde vom Kronenwirt Josef Grellinger auf eigene Kosten erbaut. Der Birsigtalbahn standen gegen Mietvergütung ein Wartsaal sowie ein Bürolokal zur Verfügung. Das Bahntelefon und der Billettverkauf wurden mit Bezug des Stationsgebäudes aus dem Hotel Krone in das Restaurationslokal verlegt.
Ein Kuriosum in der Geschichte der Bahn waren die ab 1888 von Oberwil nach Basel durch die Birsigtalbahn bewerkstelligten Eistransporte mittels Extragüterzügen mit speziell für diesen Zweck ausgerüsteten Bahnwagen. Der Allgemeine Consumverein hatte auf dem "Eisweiher" ein besonderes Eishaus errichtet, um seine Konsumenten auch während des Sommers zu bedienen. Dadurch stand Oberwil in der Rangordnung der Stationen nach dem Gütergewicht mit Abstand an der Spitze. Die 555 Tonnen Eistransporte bedeuteten 31 Prozent des gesamten Güterverkehrs.
Da zu dieser Zeit der Eislaufsport gross in Mode war, profitierte die Bahn durch Verkauf von speziellen Eisbahnbilletten an Schlittschuhläufer/innen, die in hellen Scharen die künstlich hergerichtete Eisbahn auf dem "Eisweiher" in Oberwil besuchten.

1890 wurde die Bahn von ihren Benützern erstmals bestreikt. Um die durch höhere Kohlenpreise verursachten Mehrausgaben auszugleichen, hatte die Bahn die Abonnementspreise erhöht. In der Presse und an öffentlichen Protestversammlungen wurden dazu aufgerufen, die Bahn nicht mehr zu benützen. So sank die Zahl der Abonnenten innerhalb eines Jahres von 398 auf 197 herunter und führte zu einem massiven Einnahmenausfall im Personenverkehr. Daher sah sich der Verwaltungsrat gezwungen, den vor dem 1. Dezember 1890 bestandenen Tarif wieder einzuführen.

Im Juli 1894 kam es in Oberwil zum ersten schweren Unfall mit der Birsigtalbahn. Auf einem Wegübergang wurde ein Dreispännerwagen überfahren, wobei der Fuhrmann schwere Verletzungen erlitt.
Am 2. Juni 1905 stellte die Birsigtalbahn auf den elektrischen Betrieb um. Der erforderliche Strom wurde mit einer Freileitung von St. Margrethen aus nach Oberwil geführt und dort direkt auf die Drehstrommotoren geleitet. An Rollmaterial wurden fünf vierachsige "Automobile", wie die damaligen Motorwagen genannt wurden, angeschafft. Jede Achse enthielt einen Motor von 50 PS. Die Unterbringung der Motorwagen und deren richtiger Unterhalt erforderten wiederum eine Vergrösserung der alten Lokomotivremise.
Im Jahre 1910 wurde die Strecke von Flüh nach Rodersdorf eröffnet. 1927 stellte der allgemeine Consumverein den Eisweiherbetrieb ein.

1941 wurde zum Schutz des Wagenmaterials und zwecks Verbilligung der Unterhaltsarbeiten eine 65m lange doppelgeleisige Wagenremise erbaut. Das Gebäude konnte ausschliesslich durch bahneigenes Personal errichtet werden. 1946 wurde das Stationsgebäude mit der Wirtschaft zur "Station" von der Bahn erworben. Damit konnte das bahneigene Areal in Oberwil ergänzt werden.
Ein schwerer Schlag für die Bahn war der Depotbrand in Oberwil in der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1953. Durch das Feuer wurden die alte Einstellhalle, ein Teil der Werkstatt, drei Motorwagen sowie vier Anhängerwagen vollständig zerstört. Während mehrerer Wochen vermochte die BTB den Verkehr mit eingeschränktem Fahrplan nur mit grosser Mühe und zeitweiser Überlastung des noch intakten Rollmaterials zu bewältigen. Die Arbeiten für den Wiederaufbau des Depot- und Werkstattgebäudes erstreckte sich bis ins Jahr 1955.
Im Jahre 1969 wurde in Oberwil erstmals zuggesteuerte automatische Barrierenanlagen erstellt. Ein Schritt im Sinne der Rationalisierung wurde am 1. Juli 1973 mit der Einführung von 22 Billettausgabe- und Entwertungsautomaten getan. 1974 fusionierten die vier Vorortsbahnen Birsigtalbahn (BTB), Birseckbahn (BEB), Tramgesellschaft Basel-Aesch (TBA) und Basellandschaftliche Überlandbahnen (BUeB). Somit war die Gründung der Baselland Transport AG (BLT) vollzogen.
Mit der Bildung der Baselland Transport AG endete 1974 die Geschichte der Birsigtalbahn. Der Wechsel vom traditionellen blauweissen Wagenanstrich zum gelbroten der modernen BLT-Gelenkstrassenbahnwagen wurde von vielen Oberwilerinnen und Oberwilern mit Wehmut zur Kenntnis genommen.

(Quelle: Heimatkunde Oberwil)


 

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