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Ein Antonius- oder Sauglöcklein?

 

Josef Baumann

1952 wurde im Rütacker beim Fällen einer Eiche im Walde im Wurzelstock das abgebildete Glöcklein gefunden. Dr. Ernst Baumann (sel.), Bezirkslehrer in Therwil und Volkskundler, dem das Glöcklein vorgelegt wurde, erklärte spontan, es handle sich um ein Sauglöcklein.

Es ist heute Besitz der Bürgergemeinde und anlässlich meiner Flurnamenforschung wieder zum Vorschein gekommen.

In der volkskundlichen Literatur treten solche Glöcklein in Zusammenhang mit dem hl. Antonius dem Einsiedler auf. Nach der Gründung des Ordens, der sich besonders der Krankenpflege widmete, im Jahre 1095, breitete sich der Kult des hl. Antonius des Grossen, des ägyptischen Wüstenheiligen, auch nördlich der Alpen aus. Auch in Basel bestanden zwei Antoniterhäuser, eines 1304 in Grossbasel gegründet, das andere 1402 in Kleinbasel. Antonius wurde als Patron der Haustiere, insbesondere der Schweine verehrt, sein Attribut ist ein Schwein, weshalb er in der Innerschweiz "Säutoni" genannt wird. Neben der Krankenpflege betrieben die Antoniter auch Landwirtschaft und Viehzucht. Der Unterhalt der Spitäler wurde aus Stiftungen und Almosen bestritten. Die wichtigsten Almosen waren Naturalienabgaben und unter diesen Besitzrechte an Schweinen. Vielfach trugen die Schweine Glöckchen um den Hals als Erkennungszeichen, weshalb auf dem Oberwiler Glöcklein auch das Tauzeichen (T), das Symbol des Ordens, zu sehen ist. Wegen dieses T-Zeichens handelt es sich zweifellos um ein Antoniusglöcklein. Das Schwein als Attribut des Ordens deutet aber auf ein Privileg, eben die Schweinezucht. Die Glöcklein hatten aber auch noch eine andere Bedeutung, nämlich die eines Schutzmittels gegen Gefahren, denn Metallglocken vertreiben dämonische Angriffe, denen Antonius besonders ausgesetzt war, wie wir das auf dem Isenheimer Altar in Colmar besonders schön sehen können.

Schweine wurden in den Wald auf die Weide getrieben, wo ihnen besonders die Eicheln als willkommene Mast dienten. Ob die Antoniter in Oberwil Besitz hatten, konnte ich bisher noch nicht herausfinden, Bereine liegen keine vor.

Nach der Beurteilung durch das Amt für Museen und Archäologie handelt es sich um eine nachmittelalterliche Glockenform, wie sie etwa ab 15.-16. Jahrhundert üblich war. Das Material ist eine stark zinnhaltige Glockenbronze, der Klöppel ist verloren. Dr. Ewald lehnt aber die Interpretation als Sauglöcklein ab, da Viehglocken bis an die Schwelle der Gegenwart fast immer geschmiedete Blechglocken waren und die Grösse des Glöckleins allzu bescheiden für ein Schwein sei. Ungeachtet des fachmännischen Gutachtens handelt es sich um einen interessanten Fund, vielleicht führen noch weitere Abklärungen zu einer genaueren Deutung.

Antonius-Glöcklein
 

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